Emsland: „Hallo, ich bin Juan! Der neue Mexikaner.“ So stellt sich Juan Carlos Hernandez Rodriguez vor. Der 34-jährige Physiotherapeut arbeitet seit Dezember 2025 in der Physiotherapiepraxis von Maria Altevolmer und ihrem Sohn Max in Salzbergen.
Trotz einer fünfeinhalbjährigen, überwiegend universitären Ausbildung und einer eigenen Praxis in Mexiko darf Juan Carlos in Deutschland bislang nur als Hilfskraft unter Aufsicht arbeiten. Die Berufsanerkennung über einen sogenannten Defizitbescheid steht noch aus und kann mehrere Monate dauern – obwohl in Deutschland derzeit rund 60.000 Physiotherapeuten fehlen.
„Juan überrascht uns immer wieder mit seinen praktischen sowie fachlichen und medizinischen Kenntnissen“, sagt Max Altevolmer. In den USA könne er sofort als Physiotherapeut arbeiten. In Salzbergen erhält er bereits das reguläre Gehalt eines Physiotherapeuten.
Vermittelt wurde Juan Carlos über die Wachstumsregion Ems-Achse und die Agentur für Arbeit. Seit Oktober 2025 leitet Stephanie Leigers den von der Europäischen Union kofinanzierten Mexiko-Hub der Ems-Achse. Sie unterstützt sowohl das Recruiting in Mexiko als auch die Integration und die arbeits- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren in der Region. „Eine wichtige Voraussetzung sind die Deutschkenntnisse der zukünftigen Fachkräfte“, sagt Leigers.
Juan Carlos spricht neben Spanisch auch Deutsch, Englisch, Italienisch und Portugiesisch und wird in der Praxis sogar als Dolmetscher eingesetzt. Beruflich bringt er unter anderem Erfahrung aus der Betreuung von Profifußballern eines mexikanischen Zweitligaclubs sowie weiterer Leistungssportler mit.
Für die Praxis in Salzbergen entschied er sich unter anderem wegen der familiären Strukturen. In Mexiko führte er seit 2018 eine eigene Praxis, die Arbeit dort sei jedoch auch durch Schutzgeldzahlungen stark erschwert worden. In Deutschland fühlt er sich sicher und gut aufgenommen und möchte dauerhaft bleiben.
Auch in Spelle arbeiten inzwischen mexikanische Physiotherapeuten. Francisco Rosas ist seit November 2025 als Hilfskraft in der Praxis Muldbücker tätig. Zusätzlich wurde die 31-jährige Physiotherapeutin Fernanda Gallegos eingestellt, die im Oktober 2025 gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Deutschland kam. Auch hier steht die offizielle Berufsanerkennung noch aus.
Francisco Rosas fühlt sich im Emsland wohl, hat bereits Anschluss gefunden und hofft, dass seine Familie bald nach Deutschland kommen kann. Seine Ehefrau und die drei Kinder besuchen derzeit in Mexiko einen Deutschkurs.
Die Praxisinhaber in Salzbergen und Spelle zeigen sich sehr zufrieden mit den neuen Mitarbeitern, die fachlich und menschlich eine Bereicherung für ihre Teams seien.
(PM)
(Foto: Wachstumsregion Ems-Achse)
(28.01.26)