Lingen: Außergewöhnlich erfolgreich ist der Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ für emsländische Teilnehmende zu Ende gegangen: In den Sparten „Chemie“ und „Geo- und Raumwissenschaften“ der Kategorie „Jugend forscht“ wurden zwei Erstplatzierungen erreicht. In der Kategorie „Jugend forscht junior“ überzeugten ebenfalls zwei Projekte, eines im Fachgebiet „Geo- und Raumwissenschaften“ und eines im Bereich „Arbeitswelt“, die mit dem ersten Platz belohnt wurden. Alle Erstplatzierten einer emsländischen Schule erhielten zudem den erstmals ausgelobten Sonderpreis der Bildungsregion Emsland. Darüber hinaus gab es zahlreiche Zweit- und Drittplatzierungen.
„Beeindruckend ist wie vielseitig, kreativ und gleichzeitig praxisnah die Projekte sind. Sie zeigen, wie junge Leute komplexe Probleme analysieren, Lösungsansätze testen und Ergebnisse kritisch reflektieren. Diese Kombination aus Neugier, Disziplin und Realitätsbezug ist bemerkenswert“, sagte Landrat Marc-André Burgdorf bei der Siegerehrung mit buntem Rahmenprogramm in den Berufsbildenden Schulen in Lingen (Ems).
Keine Unbekannte bei Jugend forscht ist Paula Schoe vom Gymnasium Meppen: Sie konnte mit ihrer Forschungsarbeit „Multispektroskopische Analyse eines neuartigen Betanin-Chlorophyll/TiO₂-Antennenkomplexes“ den diesjährigen Regionalwettbewerb im Fachgebiet Chemie für sich entscheiden. Bereits 2025 hatte sie auf regionaler und später dann auf Landesebene mit ihrem Projekt „Synergetische Nutzung natürlicher Farbstoffe als Sensibilisatoren zur Photokatalyse“ einen ersten Platz gemacht und beim Bundesfinale einen Sonderpreis Chemie für ihre Forschungsarbeit entgegennehmen können.
Die 17-Jährige, fast schon ein „alter Hase“ im Nachwuchswettbewerb, stellte einen neuartigen Synergieeffekt zwischen Betanin (natürlicher roter Pflanzenfarbstoff), Chlorophyll (grüner Farbstoff u. a. aus Pflanzen) und Titandioxid (Tio2)-Mikropartikel (sehr feine Feststoffpartikel aus Titan), der im vergangenen Jahr erstmals beobachtet wurde, ins Zentrum ihrer Forschung. Aufbauend auf dieser Entdeckung überprüfte Schoe die bereits formulierte Hypothese, dass sich ein strukturierter, selbstorganisierter Antennenkomplex bildet, der eine effiziente Energieübertragung ähnlich der natürlichen Photosynthese ermöglicht.
Ein weiteres ungewöhnliches Forschungsprojekt verfolgte Jamie Elias Engelshove vom Franziskusgymnasium Lingen mit der „Bestimmung von Mitgliedern offener Sternhaufen über Cepheiden am Beispiel NGC 129“. Der Lohn dafür ist ein erster Preis bei Jugend forscht im Arbeitsfeld Geo- und Raumwissenschaften. Der 17-Jährige prüfte in seinem Projekt mit einem methodischen Ansatz, ob Mitglieder eines offenen Sternhaufens identifiziert werden können. Dies geschah am Beispiel des offenen Sternenhaufens NGC 129. Dazu nutzte er unter anderem Cepheiden, eine Klasse veränderlicher Riesensterne, die ihre Helligkeit in einem streng periodischen Rhythmus ändern. Sie dienen als essenzielle „Standardkerzen“ zur Entfernungsbestimmung im Weltall.
Über einen zweiten Platz Jugend forscht, Arbeitsbereich Physik, konnte sich David Funke vom Gymnasium Dörpen freuen. Der 15-Jährige untersuchte den „Magnetokalorischen Effekt – Wie lassen sich Objekte umweltfreundlich kühlen“.
Besonders stark waren in diesem Regionalwettbewerb die emsländischen Nachwuchsforscher bei Jugend forscht junior vertreten: Felix Eling und Wilhelm Tegeder vom Franziskusgymnasium Lingen holten mit ihrem Projekt „Schulhofgestaltung: Eine Kartierung und Umfrage zum Wohlbefinden auf dem Schulhof“ im Arbeitsgebiet Geo- und Raumwissenschaften den ersten Platz. Die beiden Elfjährigen widmeten sich mit ihrem Projekt einer Schulhofumgestaltung, die den Bedürfnissen von Fünft- und Sechstklässlern beispielsweise auch an extremen Hitzetagen entgegenkommt. Dazu nahmen sie eine Kartierung des Schulhofs vor, um Grünflächen, gepflasterte Flächen, Bäume oder Sitzmöglichkeiten zu ermitteln. Anschließend fragten sie Lieblingsaufenthaltsorte und Veränderungswünsche ab. So konnten sie ableiten, welche Orte auf dem Schulhof den Wünschen angepasst werden sollten.
„Haushalt mit Spaß – Kinder lernen appbasiert Eltern zu helfen“ lautet der Titel der Forschungsarbeit von Jonte Krieger und Vincent Bruns. Die beiden zwölfjährigen Schüler des Gymnasiums Georgianum, Lingen, entwickeltenmit Hilfe einer KI basierten Plattform eine Haushalts-App. Mit ihr können Eltern ihren Kindern verschiedenste Aufgaben zuordnen. Für jede erledigte Aufgabe gibt es Punkte, für die verschiedene Belohnungen gekauft werden können. So sollen Kinder „mehr Spaß im Haushalt haben und mehr mithelfen“, begründen die beiden Jungforscher ihre Arbeit, die mit dem ersten Preis bei Jugend forscht junior im Bereich Arbeitswelt ausgezeichnet wurde.
Darüber hinaus gehören zu den emsländischen Preisträgern bei Jugend forscht junior, Arbeitsfeld Biologie, Thea Wemhoff (14), Gioia Leffers (13) und Johanna Krüßel (14) vom Windthorst-Gymnasium Meppen mit einem zweiten Platz für ihre Forschung zum Thema „Torf raus, Zukunft rein – Pflanzenwachstum auf nachhaltigen Substraten“ sowie Jette Kolmes (12), Tome Wichers (11) und Laura Mersch (11) vom Franziskusgymnasium Lingen, die mit ihrem Projekt „Angepasstheiten von unterschiedlichen Tieren an UV-Strahlung“ den dritten Platz belegten.
Im Fachgebiet Chemie von Jugend forscht junior freut sich Linnea Moß (12) vom Gymnasium Meppen über einen zweiten Platz für „BioRevolution 2.0 – Plastik neu gedacht“. Den dritten Platz in dieser Sparte sicherten sich Marten Bauer und Jakob Kammer, beide elf Jahre alt, für ihre Forschungen zum Thema „Ein Kristall – Ein ganz besonderer Fall“.
Der 14-jährige Maximilian Gansefort vom Gymnasium Marianum Meppen nimmt den zweiten Preis bei Jugend forscht junior im Fachgebiet Technik für die Untersuchungen zum Thema „Gefahr bei Flammen – Können Drohnen helfen?“ entgegen.
Die Erstplatzierten nehmen nun an den weiterführenden Wettbewerben von jugend forscht auf Landesebene vom 16. bis 18. März in Clausthal-Zellerfeld teil. In der Sparte Jugend forscht junior werden vom 9. bis 11. April die Landessieger in Einbeck ermittelt. Das Finale auf Bundesebene wird vom 28. bis 31. Mai in Herzogenaurach ausgerichtet.
Zu Jugend forscht
In der 61. Runde von Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb starten Jugendliche ab 15 Jahren in der Alterssparte Jugend forscht, jüngere Teilnehmende ab Klasse 4 treten in der Sparte Jugend forscht junior an. Insgesamt rund 161 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 22 Schulen hatten beim 59. Regionalwettbewerb analog zum aktuellen Wettbewerbsmotto „Maximale Perspektive“ ergebnisoffen in den sieben Fachgebieten Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik geforscht. Der Landkreis Emsland fungiert für den Regionalwettbewerb Emsland seit Jahrzehnten als Pateninstitution und kümmert sich um den organisatorischen Ablauf der Veranstaltung in den Landkreisen Emsland, Grafschaft Bentheim, Osnabrück und Cloppenburg.
(PM)
Foto: Landkreis Emsland
(27.02.26)