Lingen: Welche Verantwortung trugen Unternehmer und Führungspersönlichkeiten während der nationalsozialistischen Diktatur? Wie eng waren wirtschaftliche Interessen, persönliche Karrieren und die Unterstützung des NS-Regimes miteinander verbunden? Diesen Fragen widmet sich das Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V. bei seinem nächsten Lehrhausabend am Mittwoch, 14. Oktober 2026, um 19.30 Uhr im Emslandmuseum Lingen.
Unter dem Titel „Er war dem Mann restlos verfallen…“ stellt der Autor Horst J. Rieth sein gleichnamiges Buch über Jakob Werlin vor. Werlin war Direktor bei Daimler-Benz, SS-Mitglied und enger Vertrauter Adolf Hitlers. Seine Biografie steht exemplarisch für die Verflechtungen zwischen wirtschaftlichen Eliten und dem nationalsozialistischen Regime.
Rieth zeichnet dabei ein vielschichtiges Bild: Werlin unterstützte den Nationalsozialismus und profitierte von seiner Nähe zu Hitler, leistete zugleich jedoch einzelnen Menschen Hilfe. Der Autor geht der Frage nach, wie solche Widersprüche historisch einzuordnen sind und welche Verantwortung sich aus persönlichem Handeln innerhalb einer Diktatur ergibt.
Im Mittelpunkt des Lehrhausabends stehen neben Werlins Biografie deshalb auch grundsätzlichere Fragen nach der Rolle der Wirtschaft im Nationalsozialismus, nach individueller Verantwortung und nach einem kritischen Umgang mit historischen Persönlichkeiten.
Einen besonderen Bezug erhält das Thema in Lingen durch die bis heute geführte Auseinandersetzung mit dem Rennfahrer Bernd Rosemeyer. Auch dessen Karriere berührte die Bereiche Motorsport, Automobilindustrie und nationalsozialistische Propaganda. Der Abend bietet daher die Gelegenheit, historische Biografien und die Verflechtungen von Sport, Wirtschaft und NS-Regime differenziert zu betrachten und miteinander ins Gespräch
zu kommen.
Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 14. Oktober 2026, um 19.30 Uhr im Vortragssaal des Emslandmuseums, Burgstraße 28B in Lingen (Ems), statt.
Der Eintritt ist frei. Um eine Spende für die Arbeit des Forums Juden-Christen wird gebeten.
(Bild: Horst J. Rieth)
(PM)
(07.10.26)