Wenn in der heißen Phase des Sommers normalerweise der Rasen gemäht wird, Nachwuchsspieler in U19-Turnieren glänzen dürfen und die Großen der Branche sich auf PR-Reisen nach Asien oder in die USA begeben, dann war das bislang der letzte Akt vor dem eigentlichen Saisonstart.
Doch der Fußballkalender hat sich erneut ein Stück weiter überdehnt. Mit der FIFA Klub-WM 2025 wirft sich ein neues Schwergewicht in den Ring der Sommertermine, vollmundig angekündigt als das nächste große Ding – mit 32 Teams, über vier Wochen hinweg und einer Preisgeld-Ausschüttung, die selbst bei den betuchten Clubs auf offene Ohren stößt.
Die Teilnehmerliste ist voll von großen Namen: Bayern München, Real Madrid, Manchester City, Flamengo, Al Ahly – von jeder Konföderation ist die Crème de la Crème vertreten. Laut der Klub WM Quoten der Buchmacher dürften jedoch die europäischen Vertreter deutliche Favoriten auf den Titel sein. Ob das Ganze ein globales Fußballfest oder nur ein weiterer Baustein im Überangebot ist, lässt sich derzeit noch nicht final beantworten.
Neuer Modus, neue Dimension beim Wettstreit der Vereine
Was früher als etwas kurioser Interkontinentalvergleich zwischen dem Champions-League-Sieger und einem Haufen anderer Kontinentalmeister begann, hat sich mittlerweile zur Blaupause für die globale Expansion der FIFA entwickelt. 2025 wird erstmals nicht mit sieben, sondern mit satten 32 Mannschaften gespielt – exakt das Format, das man bereits aus der Weltmeisterschaft der Nationalteams kennt. Und wer glaubt, das sei bloß Symbolpolitik, liegt falsch.
Austragungsort ist die USA, was gleich mehrere Signale sendet. Einerseits handelt es sich um den derzeit vielleicht wachstumsfreudigsten Sportmarkt der Welt, andererseits um ein Testfeld für die große Bühne 2026, wenn dort die nächste Männer-WM stattfindet. Dass die FIFA hier mit Wucht auftritt, kommt also nicht von ungefähr.
Die Qualifikation basiert auf den Leistungen in den kontinentalen Wettbewerben der Jahre 2021 bis 2024, wobei es pro Land maximal zwei Startplätze gibt – es sei denn, mehr als zwei Clubs aus einem Land haben in diesem Zeitraum einen Champions-League-Titel geholt. Eine Regelung, die so klingt, als sei sie direkt in einem Konferenzraum auf einem FIFA-Schiff im Mittelmeer entworfen worden.
Europas Spitzenteams im Dauereinsatz: Wie sinnvoll ist die Teilnahme?
Für die europäischen Clubs ist die Teilnahme an diesem XXL-Turnier zwar ein Ritterschlag, aber auch eine Bürde. Bayern und Dortmund sind dabei, ebenso die Giganten aus England, Spanien und Italien. Doch was auf dem Papier nach Ehre klingt, bringt organisatorisch einiges durcheinander. Denn die Klub-WM startet mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison – also zu einem Zeitpunkt, an dem viele Spieler eigentlich Pause brauchen oder frisch in die Sommervorbereitung starten sollten.
Das führt unweigerlich zu Spannungen. Einerseits zwischen Clubs und Nationalmannschaften, denn parallel stehen Nachwuchsturniere wie die U21-Europameisterschaft an. Andererseits intern, weil Trainer sich überlegen müssen, ob sie ihre Stars mit auf Reisen schicken oder lieber regenerieren lassen.
Viele Kaderplanungen dürften ins Rutschen geraten, vor allem bei Clubs, die zusätzlich noch von Länderspielen oder anderen Sommerformaten betroffen sind. Die Belastungsgrenze, ohnehin schon überschritten, wird nun offiziell ignoriert.
Warum sich kaum ein Club das Turnier finanziell entgehen lässt
Trotz aller Sorgen rund um die Fitness der Spieler ist der Reiz der Teilnahme kaum zu übersehen. Die FIFA hat tief in die Tasche gegriffen. Rund eine Milliarde US-Dollar fließen in das Gesamtpaket. Allein 525 Millionen davon werden als Startgeld unter den Teilnehmern verteilt, 40 Millionen winken dem Sieger. Damit dürfte klar sein, warum kein europäischer Club ernsthaft über einen Boykott nachdenkt. Selbst moralische Bedenken oder Widerstand aus den eigenen Reihen werden durch die Aussicht auf satte Prämien zumindest leiser.
Gleichzeitig geht es um globale Sichtbarkeit. Der US-Markt ist für viele Vereine wirtschaftlich noch ein schlafender Riese. Wer hier frühzeitig präsent ist, legt das Fundament für spätere Einnahmequellen – Trikotverkäufe, Fanbindung, TV-Deals. Die FIFA spielt dabei die Rolle des Türöffners. Dass man sich dabei elegant über bestehende Spielpläne und Verbandsabsprachen hinwegsetzt, ist mehr als nur ein Kollateralschaden. Es ist Teil des Plans.
Kritik am System: Wer bremst, wenn die FIFA aufs Gaspedal tritt?
Natürlich bleibt das nicht ohne Gegenwind. Spielergewerkschaften wie FIFPro schlagen Alarm, Ligen wie die Bundesliga und Premier League äußern Bedenken. Selbst Trainergrößen wie Jürgen Klopp haben sich kritisch geäußert und das Turnier als nutzlos bezeichnet.
Die Kritik entzündet sich dabei nicht nur an der reinen Terminfülle, sondern auch an der Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden – nämlich im Alleingang durch die FIFA, ohne echte Mitspracherechte anderer Akteure.
Besonders heikel ist die juristische Komponente: Die European Leagues und FIFPro haben sich mit einer offiziellen Beschwerde an die EU-Kommission gewandt. Sie werfen der FIFA Machtmissbrauch und Wettbewerbsverzerrung vor. Es geht dabei nicht nur ums Prinzip, sondern um die Frage, wer im Weltfußball eigentlich das Sagen hat – und ob dieser Machtanspruch der FIFA nicht auf Dauer den gesamten Spielbetrieb ins Wanken bringen könnte.
Wie die FIFA das Turnier ins Wohnzimmer bringt
Medial setzt die FIFA auf einen ungewöhnlichen Schritt: DAZN wird das gesamte Turnier kostenlos übertragen. Das Ziel dahinter ist klar. Es geht um maximale Reichweite, neue Zielgruppen, besonders auf dem nordamerikanischen Markt. Denn die Streaming-Plattform ist nicht nur sportaffin, sondern auch technikgetrieben, jung und global orientiert. Ein besserer Partner für die Imagekampagne der FIFA ist derzeit schwer vorstellbar.
Allerdings stellt sich die Frage, wie groß das Interesse wirklich sein wird. Im dicht gedrängten Fußballjahr könnte die Klub-WM leicht zwischen EM-Vorbereitung, Transferspekulationen und Testspielmarathons untergehen.
Kritiker sprechen schon jetzt von Übersättigung, von einem Kalender, der nicht mehr zum Durchatmen einlädt. Und wenn sich am Ende nicht mal die Fans mehr sicher sind, welches Spiel gerade warum wichtig ist, droht ein schleichender Vertrauensverlust in den gesamten Profibetrieb.
Ist die Klub-WM die Zukunft oder ein Irrweg?
Ob die Klub-WM 2025 als wegweisendes Großereignis in Erinnerung bleibt oder als ambitionierter Irrweg in den Geschichtsbüchern verschwindet, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend wird sein, ob das Turnier sportlich ernst genommen wird, ob die Belastung halbwegs ausgeglichen bleibt und ob das Interesse tatsächlich mit der medialen Wucht mithalten kann, die derzeit aufgebaut wird.
Klar ist: Die FIFA testet mit diesem Format, wie weit sie den Profifußball dehnen kann, bevor etwas reißt. Die Klub-WM wird zur Nagelprobe für ein System, das sich immer weiter beschleunigt, immer mehr Geld verschlingt und dabei immer weniger Rücksicht nimmt. Sollte das Modell 2025 funktionieren, dürften ähnliche Formate bald folgen. Falls es aber in einem organisatorischen oder sportlichen Fiasko endet, könnte das Turnier zur Blaupause für das Scheitern von Größenwahn im modernen Fußball werden.
In jedem Fall ist es weit mehr als ein Sommerloch-Füller. Es ist ein Lackmustest für einen Sport, der längst nicht mehr nur auf dem Platz entschieden wird.
(25.05.25)