Meppen: „Steck dein Schwert in die Scheide“. Diesen Satz soll Jesus zu einem seiner Jünger gesagt haben, als dieser ihn mit Waffengewalt vor dem Zugriff der römischen Soldaten beschützen wollte. Es ist das Leitwort, unter dem die 379. Kreuztracht in Meppen in diesem Jahr stattfand. Und wie Weihbischof Johannes Wübbe während seiner Predigt betonte, mahnt es dazu Unrecht nicht mit dem Einsatz von Waffen zu begegnen. „Denn alle die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“ So heißt es weiter im Matthäus-Evangelium. Dieser Verzicht auf Gewalt, sei kein Zeichen von Schwäche, wie der Weihbischof weiter ausführte. Jesu Wort sei kein Aufruf zur Passivität aus Angst, sondern eine bewusste Entscheidung. „Wo rechtfertigen wir Härte, weil wir uns im Recht fühlen?“ fragt der Weihbischof.
Die Kreuztracht in Meppen stellt seit jeher einen Bezug zwischen Jesu Leiden am Kreuz und den politischen, humanitären und gesellschaftlichen Krisen unserer Zeit her. René Kollai, pastoraler Koordinator in der Probsteigemeinde, erklärt im emsTV-Interview, dass es bei der Kreuztracht nicht primär darum gehe, das Ereignis zu historisieren. Es gehe vielmehr um die Frage, was der Leidensweg Christi auch heute, 2000 Jahre später, noch für die Menschen bedeuten kann. Die Prozession durch die Innenstadt thematisierte daher an verschiedenen Stationen auch moderne Formen von Leid und Ungerechtigkeit.
Am Ende bleibt die Frage von Weihnbischof Johannes Wübbe an die Gemeinde: „Ist dieser Weg Jesu heute überhaupt lebbar? Ist das nicht viel zu naiv gedacht?“ Er machte deutlich, dass der Verzicht auf Gewalt gerade in einer Zeit, die von globalen Konflikten und einer zunehmenden Verrohung der Sprache geprägt ist, die wohl größte Kraftanstrengung darstellt. Und forderte die Teilnehmenden damit indirekt auf, die eigene Position in gesellschaftlichen Konfliktfeldern zu hinterfragen.
Einen ausführlichen Videobeitrag zur diesjährigen Kreuztracht finden Sie in Kürze hier auf unserer Website und am kommenden Dienstag im TV-Programm in den emsTV-NEWS.
Foto: Yannik Overberg
(03.04.26)