Rhede: Was haben die historischen Sieltore in Rhede mit der Nordsee zu tun? Diese Frage wird ab sofort im Zuge einer neuen Station des digitalen PlattPatts durch Schüler der Ludgerusschule in plattdeutscher Sprache geklärt.
Man kennt es von der Küste: die Endung –siel am Namen eines Ortes. Immer verweist dies auf den Standort eines eben solchen. Und auch das Emsland hat eine Sieltoranlage. Siele schützen das Binnenland, indem sie den Wasserstand steuern. Sie sind ein unverzichtbarer Teil des Hochwasserschutzes und auch ein Werkzeug der Wassersteuerung, von der zum Beispiel die
Landwirtschaft profitiert. Dass auch das Emsland über eine Sieltoranlage verfügt liegt daran, dass die Ems durch Ihre Mündung in die Nordsee natürlich auch den Gezeiten folgt und historisch betrachtet immer wieder eine Sturmflutgefahr barg.
Das einzige Sieltor im Emsland kann man auch heute noch in Rhede sehen. Die Schüler der 8. Klasse der Ludgerusschule haben sich gemeinsam mit der pädagogischen Mitarbeiterin Edeltraud Wotte damit beschäftigt und im Rahmen des PlattPatt der Emsländische Landschaft dem Denkmal ein weiteres Zeichen gesetzt. Gemeinsam wurde die Geschichte der Tore anhand von zahlreichen Unterlagen von Albert Vinke recherchiert und ein plattdeutscher Text dazu erarbeitet. Die Gemeinde Rhede unterstützte das Projekt, bei der Umsetzung in ein professionelles Video half Oliver Evers von der online-Marketing-Agentur Brandsplus aus Papenburg. Die VGH-Stiftung förderte das Projekt.
Nun lädt vor Ort ein Schild dazu ein, den Ort zu entdecken und das Video per QR-Code abzurufen. “Die Schülerinnen und Schüler haben das Projekt sehr engagiert umgesetzt” berichtet Edeltraut Wotte. Auch Schulleiter Otto Büning steht dahinter: “Wir sind froh so engagierte Schüler an unserer Schule zu haben. Das Plattdeutsche wird an der Schule gelebt, vor allem durch den großen Einsatz von Frau Wotte.” Seit 2018 ist die Lugerusschule durch das Kultusministerium als Plattdeutsche Schule ausgezeichnet und wird dieser Aufgabe durch Arbeitsgemeinschaften und Unterricht sowie jahrgangsübergreifende Projekte mehr als gerecht.
“In Rhede sind bereits vier PlattPatt-Stationen durch die Schule entstanden, wir freuen uns über die Fünfte! Die Kombination aus Regionalsprache und Regionalgeschichte in Verbindung mit Schüler ist grandios,” freut sich Gesche Gloystein, Leiterin der Fachstelle Plattdeutsch der Emsländische Landschaft. Das Projekt erhöht ebenfalls die Sichtbarkeit des Plattdeutschen im öffentlichen Raum.
Die historischen Sieltore wurden 1878 und 1936 umfänglich erweitert. Heute sind sie ein Denkmal. Durch den Dortmund-Ems-Kanal und die Begradigung der Ems ist ihre Funktion nicht mehr notwendig. Sie sind ein wichtiges historisches Wahrzeichen der Region und die einzig verbliebenen Sieltore im Emsland.
(Foto: Petra Koppers)
(PM)
(17.11.25)