Papenburg: Wie lässt sich über das schwierige Thema Häusliche Gewalt möglichst niederschwellig und breitenwirksam aufklären? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt des Kommunalen Präventionsrates der Stadt Papenburg bereits seit einigen Jahren und testet verschiedenste Formate aus.
In diesem Jahr adaptieren die Mitglieder des Arbeitskreises eine im Jahr 2024 in Meppen durchgeführte Idee und organisieren eine Schutzmeile Häusliche Gewalt. Nachdem interessierten Einrichtungen und dem Einzelhandel im Februar das Konzept vorgestellt wurde, entwickelten sich schnell kreative Ideen und eine große Bereitschaft zur Mitwirkung. Bislang haben sich 34 Standorte dazu entschlossen, ihre Schaufenster und Schaukästen zur Verfügung zu stellen. Zu sehen sein werden vom Arbeitskreis gestaltete Plakate, die einen zum jeweiligen Standort passenden Spruch zeigen sowie Anlaufstellen, die in Fällen Häuslicher Gewalt unterstützend zur Seite stehen.
Ebenfalls platziert wird ein Plakat zur UN Frauenrechtskonvention des Projektes „Gleichstellung sichtbar machen – CEDAW in Niedersachsen“ der Vernetzungsstelle für Gleichberechtigung e.V. aus Hannover, die das Projekt aus niedersächsischen Landesmitteln mit knapp 3.000 Euro unterstützt. „Ohne diese Förderung wäre der Umfang der Schutzmeile bedeutend kleiner ausgefallen“, so Melanie Schröder, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Papenburg. „Mit dem Geld finanzieren wir unter anderem den Wunsch des Handels, den Kundinnen und Kunden wunderschöne Taschen mit der Papenburger Skyline zur Verfügung zu stellen, die neben den getätigten Einkäufen auch schöne Giveaways und weitere Informationen zum Thema enthalten.“
Auch Miriam Kulessa von den papenburglocals, die das Projekt tatkräftig begleitet und über die Social-Media-Kanäle des Netzwerkes bekannt macht, zeigt sich beeindruckt: „Der Handel hatte tolle Ideen und wir sind begeistert, wie viele Unterstützerinnen und Unterstützer sich offen für dieses Thema zeigen.“
Eine weitere Initiative aus der Kaufmannschaft war es, attraktive Werbemittel zu gestalten, die auf der Vorderseite unverfänglich wirken, auf der Rückseite jedoch Notfallkontakte auflisten. Dagmar Kuhr brachte hierzu die Idee schön gestalteter Bierdeckel ein. Karin Schneider, Sprecherin des Arbeitskreises, ergänzt: „Den Ansatz, Hilfsangebote nicht zu plakativ, sondern dezent zu platzieren, fanden wir besonders gut. Wer tiefergehende Informationen wünscht, scannt einfach unseren QR-Code, der zur ausführlichen Broschüre verlinkt, oder erhält diese direkt und unauffällig in den verteilten Taschen.“ Dank einer Spende der Stiftung Opferhilfe Osnabrück können die Broschüren des Arbeitskreises nachgedruckt werden.
Besonders engagiert zeigte sich die Fotografin Melanie Börger von Melboe PHOTOGRAPHY am Hauptkanal – sie organisierte gleich ein ganzes Shooting. Auf dem entstandenen Bild ist eine Frau zu sehen, die von der Fotografin so geschminkt wurde, als ob sie Gewalt erfahren hätte. „Ich finde dieses Thema ausgesprochen wichtig – jährlich steigen die Zahlen und momentan haben wir laut BKA einen traurigen Höchststand von 265.942 Opfern und fast täglich einen Femizid. Wir müssen als Gesellschaft aufstehen und uns hier ganz klar positionieren.“
Die Aktion des Arbeitskreises startet am 08. Mai und geht bis zum 17. Mai. Auf der Blaulichtmeile wird der Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt ebenfalls mit einem Stand vertreten sein und Interessierte können sich hier austauschen und informieren. Darüber hinaus verlegt die Gleichstellungsbeauftragte im genannten Zeitraum ihr Büro ins Kreativdeck und ist an Werktagen zwischen 09:00 und 12:30 Uhr für Fragen und Antworten erreichbar.
Rückfragen unter Melanie Schröder, Gleichstellungsbeauftragte Stadt Papenburg, melanie.schroeder@papenburg.de oder 04961 82 5215.
(Foto: Stadt Papenburg)
(PM)
(28.04.26)